Wochenhighlight im November

16. November 2009 20:15

Die Macht des Wissens - Europas große Universitäten
Sigmund Freud in Wien

Durch die Wiener Revolution von 1848, die von Studenten und Absolventen mitgetragen wird, tritt die akademische Freiheit ihren Siegeszug an der Wiener Universität an. Innerhalb kürzester Zeit wird die Universität nach Humboldtschem Vorbild völlig neu organisiert und zahlreiche ausländische Kapazitäten kommen in die österreichische Hauptstadt. Das wissenschaftliche Niveau entwickelt sich rasant. In vielen Disziplinen erlangt die "Wiener Schule" Weltruf. Dies gilt besonders für die Medizin, aber auch für Fächer wie Physik, Psychologie, Philosophie und Kunstgeschichte, deren Repräsentanten weltweit Annerkennung finden.

Vor allem einer sticht heraus, der seinen Namen in realistischer Unbescheidenheit später einmal in einer Reihe mit Kopernikus und Darwin nennen wird: Sigmund Freud. Kaum an der Universität zu Wien in Medizin eingeschrieben, besucht er 18-jährig freiwillig die Vorlesungen des Philosophen Franz Brentanos und diskutiert mit jenem dessen Thesen über „empirische Psychologie". 1876 lernt er Joseph Breuer kennen, der ihn mit der Hypnose bei Hysterie bekannt macht. Freud ist fasziniert von den noch relativ unerforschten Krankheiten. Aber noch sollen Jahre vergehen bis Freud und sein Domizil in der Berggasse 19 weltberühmt werden. Hier beginnt er über das Unterbewusstsein zu schreiben und versammelt einmal pro Woche immer mehr prominente Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller im Wartezimmer seiner Praxis, um in der „Psychologischen Mittwochs-Gesellschaft" über Neurosen, Potenzstörungen und Traumdeutung zu diskutieren - der Siegeszug der Psychoanalyse als universelle Theorie ist nicht mehr aufzuhalten.

Regie: M. Schmidt und M. Farschid
Land: Deutschland
Jahr: 2004
Länge: 52 min.